Schonzeit, Kunstköderverbot, klirrende Kälte: Der Winter macht es Raubfisch- Fans nicht leicht. Warum sich der Ausflug ins Kalte trotzdem lohnt und weshalb der Tauwurm die Hauptrolle spielt, verrät R&R Autor Sean Perez. Das Erfolgsrezept: Drop Shot mit Wurm …

Dropshot Angeln auf Barsche im Winter

Winterlandschaft

Ein eisiger Wind fegt übers Gewässer, als es draußen langsam hell wird. Tagsüber klettern die Temperaturen zwar über den Gefrierpunkt, doch noch lassen Eiskristalle die Landschaft funkeln. Der Winter ist unbestritten eine meiner Lieblingsjahreszeiten, wenn es ums Angeln geht – und perfekt, um mit Tauwurm am Drop Shot Rig stattliche Barsche zu fangen. Wir schlagen dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe! Würmer können wir an allen Gewässern trotz Kunstköderverbot in der Hecht- und Zanderschonzeit problemlos auf Barsch anbieten und mit Drop Shot trotzdem aktiv angeln. Dropshot Angeln auf Barsche im Winter!

PROBIER’S MAL MIT NATÜRLICHKEIT

Dropshot-Angeln-mit-Wurm-im-Winter

Kaum ein Köder übertrifft die natürliche Fängigkeit des Tauwurms, doch was macht ihn so gut? Zum einen kennen die Barsche diese Nahrung schon von klein auf, denn an fast jedem Gewässer werden bei Regen Würmer ins Wasser gespült. Gerade große Gestreifte sind von Natur aus skeptisch, doch beim Anblick des verführerisch zappelnden Leckerbissens verschwindet schnell die Vorsicht. Zum anderen haben Barsche gelernt, dass sie bei Würmern kaum Energie aufwenden müssen, um satt zu werden. Anders als bei einem Fisch oder Krebs gibt‘s beim Wurm keine Fluchtgefahr – aufwendiges, kräftezehrendes Jagen droht nicht. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, schlägt ein Barsch bei so leichter Beute meist sofort zu.

FÜHRUNG IN ZEITLUPE

Wird’s draußen kalt, fahren Fische ihren Stoffwechsel herunter, sind weniger aktiv als bei höheren Temperaturen. Was Geschwindigkeit angeht, schalten wir deshalb jetzt bewusst ein paar Gänge zurück. Ein übertrieben lebhafter Happen wirkt unnatürlich. Damit mein Köder den Geschmack der Barsche trifft, habe ich eine Technik für mich entdeckt, die ich Slow-Mo nenne. Die Slow-Mo-Technik, Abkürzung für slow motion, die englische Bezeichnung für einen langsamen Bewegungsablauf, ist nichts anderes als eine extrem langsame, ruhige Köderpräsentation. Nach dem Auswerfen darf die Montage an gespannter Schnur bis zum Gewässergrund absinken. Ist das Blei unten angekommen, wird die Rute angehoben, bis wir das Gewicht in der Rutenspitze spüren (Elf-Uhr-Stellung). Wichtig: Beim Anheben soll sich das Blei NICHT bewegen. Danach wird die Rute langsam gesenkt, damit ein kleiner Schnurbogen entsteht (Zehn- Uhr-Stellung). Nachdem die Schnur etwas erschlafft ist, versetzen wir den Köder mit leichten Zupfern in Bewegung. Wichtig bei dieser Technik ist, dass wir die Leine nicht gespannt halten – die Zupfer erfolgen nur in den leichten Schnurbogen hinein. In der Regel lasse ich den Köder 10 bis 20 Sekunden, an schwierigen Tagen sogar bis zu einer Minute, auf der Stelle tanzen, bis ich die Montage langsam ein kurzes Stück heranziehe und wieder von vorne beginne.

Extra-Tipp: An manchen Tagen reicht es aus, die Rutenspitze absolut still zu halten. Ein leichter Wind, kleine Wellen und die Eigenbewegungen des Wurms sind mehr als genug, um den Beißreflex beim Barsch auszulösen.

HAKEN, BLEI, VORFACH – FERTIG!

Dropshot-im-Winter

Haken, Blei und Vorfachmaterial – fertig! Für diese Finesse-Technik benötigen wir nur eine Handvoll Tackle, um die ersten Barsche ans Band zu bekommen. Beim Haken hat man nicht selten die Qual der Wahl. Mittlerweile gibt es von vielen Herstellern erstklassige Drop Shot-Haken. Ich bevorzuge trotzdem kleine Wurmhaken mit Widerhaken am Schenkel. Dadurch verhindere ich, dass der aufgezogene Wurm beim Wurf vom Haken rutscht. Auch beim Blei gibt es verschiedene Modelle. Ob ich mich für ein Rundes, Birnen- oder Stabförmiges entscheide, mache ich von der jeweiligen Situation abhängig. Runde und birnenförmige Bleie lassen sich gut werfen und kommen zum Einsatz, wenn ich etwas weiter werfen möchte. Stäbe verwende ich dann, wenn der Untergrund steinig ist und Hänger drohen. Dank des schlanken Profils bleibt das längliche Blei selten zwischen Steinen und anderen Hindernissen stecken. Die meisten Modelle verfügen über einen Schnur-Clip am oberen Ende, wodurch der Abstand zwischen Haken und Blei eingestellt werden kann – sehr praktisch. Für meine Vorfächer verwende ich ausschließlich hochwertiges Fluorocarbon. Es ist für den Fisch nahezu unsichtbar und sehr abriebfest. Die Vorfachlänge ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, wobei 100 bis 160 Zentimetern Länge am gebräuchlichsten sind.

DIE AKTION MACHT’S

Eine gute Drop Shot-Rute hat eine feinfühlige Spitze, ausreichend Rückgrat für einen sauberen Anhieb und genug Kraftreserven im unteren Drittel, um größere Gegner problemlos bezwingen zu können. Durch die weiche Spitze können wir den Köder mit sanften Zupfern in Aktion versetzen, ohne das Blei zu bewegen. Zaghafte Bisse lassen sich gut erkennen und im Drill werden Fluchten und Kopfstöße sauber abgefedert. Verglichen mit einer steifen Spinnrute gibt’s deutlich weniger Aussteiger. Auch wenn das Rutengewicht selbst wichtig ist, spielt für mich die Ausgeglichenheit einer Kombi die Hauptrolle. Achten Sie darauf, dass die Rute gerade im Handteil gut ausbalanciert ist – so lässt es sich stundenlang ermüdungsfrei fischen.

HART AN DER KANTE – HOTSPOTS IM WINTER

Das Drop Shotting ist keine Methode, um viel Fläche abzusuchen. Vielmehr handelt es sich um eine Technik, bei der wir gezielt und im Zeitlupentempo an Stellen angeln, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Stacheln haben. Überall, wo es tief, ruhig und deckungsreich ist, halten sich die Barsche im Winter regelmäßig auf. Im Fluss stehen sie jetzt an den tiefen Stellen, beispielsweise in unterspülten Kurven und Gumpen, aber auch in Fahrrinnen und in kleinen Kuhlen, die von Fähren ausgespült wurden. Brücken zählen ebenfalls zu den Hotspots – gezielte Würfe entlang von Pfeilern und Betonkanten können Überraschungen bereithalten. An Kanten und überall dort, wo Deckung und Futterfische vorhanden sind, lauern die gestreiften Räuber in Stillgewässern. Je kälter es wird, desto wahrscheinlicher bildet sich am Gewässer eine Eiskante. An ihrem Rand finden Barsche schattige Verstecke und können prima auf vorbeiziehende Beute lauern.

Hotspots-für-Barsche-im-Winter

Ich habe schon einige dicke Winterbarsche hart an der Eiskante gefangen. Häfen sind ebenfalls tolle Barschreviere, da hier das Wasser durch Schiffsmotoren ständig aufgewühlt und so Nahrung freigesetzt wird. Boote, Schiffe und Steganlagen bieten zusätzlich Schutz und Deckung. An den Hafen- und Spundwänden halten sich zudem das ganze Jahr lang Weißfische auf. Diese werden wiederum von den Barschen an die Mauer gedrückt und sind dort ein gefundenes Fressen. Aber unseren präzise angebotenen Tauwurm am Drop Shot Rig nehmen die stacheligen Räuber genauso gerne, versprochen!

Dropshot Angeln auf Barsche im Winter